Symposion 2020
Eisenhüttenstadt - Zwischen Modell und Museum

VOLKER DÖHNE  ARMIN HARTENSTEIN                               MICHAEL HIRSCHBICHLER  BEN KADEN  NIKLAS NITSCHKE  NATALIE OBERT  ANNE PESCHKEN / MAREK PISARSKY  FRANÇOIS PISAPIA  SABINE RENNEFANZ  ANNE SCHÜLKE  MATTHIAS WARKUS  PIOTR ZAMOJSKI

Konzeption /  Kuratorische Betreuung: Niklas Nitschke, mit Armin Hartenstein und Uwe Vollmar

Fotos: Bundesarchiv (über Wikimedia Commons)

Was für eine Bedeutung hat die Idee einer idealen Stadt, einer idealen Gesellschaft heute? Ist Eisenhüttenstadt, als frühere Modellstadt des Sozialismus, als historisches Beispiel, ein Raum, in welchem Gesellschaft und ihr Entwurf in der Gegenwart fruchtbar angesprochen werden können?

Der Kunstverein im Kloster Neuzelle e.V. richtet 2020, im Jahr des 70ten Jubiläums der Errichtung des Stahlwerks (Eisenhüttenkombinat Ost) und der darauf bezogenen Stadt Eisenhüttenstadt das Pleinair des Landkreises Oder-Spree als Symposion mit dem Titel ‚Eisenhüttenstadt - Zwischen Modell und Museum‘ aus. Das Symposion setzt sich aus einer Ausstellung und einer Konferenz zusammen. Die Ausstellung versammelt eine Reihe von Künstlerprojekten, die im Vorfeld des Symposions in der Stadt und für die Stadt erarbeitet wurden. Drei der ausstellenden Künstler sind mit einer Präsentation bzw. einem Vortrag auch auf der Konferenz vertreten.

Konferenz
Ort:                          Eisenhüttenstadt, Friedrich Wolf-Theater
Datum und Zeit:     5. September 2020, 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr, Einlass 9:30 Uhr


Ausstellung

in der  ehemaligen Wochenkrippe, Erich-Weinert-Allee 4, neben dem Dokumentationszentrum Alltagskultur

 5. September 2020 - 4. Oktober 2020

geöffnet Samstag und Sonntag 11:00 - 18:00 Uhr

und nach Vereinbarung (0179 / 5247736)         

Eröffnung der Ausstellung am 4. September, 18:30 Uhr

vor der Publikumseröffnung spielt das Armonia Quartett Cottbus das Streichquartett Nr. 8 von Dmitri Shostakovich in vier Höfen des zweiten Wohnkomplexes

Beginn: 17:30 Uhr am Sowjetischen Ehrenmal


Eisenhüttenstadt ist eine in den 50er Jahren für das Eisenhüttenkombinat Ost entworfene und gebaute ehemalige ‚Idealstadt‘ der DDR. Der ‚ideale‘ Kern der Stadt ist in einer Weise erhalten und rekonstruiert, dass der Entwurfscharakter und das Pathos des Neubeginns auf einem Gang durch die Stadt noch immer sehr deutlich werden. So sind Besucher häufig von der Großzügigkeit der Räume, der Wohnhöfe und breiten Achsen in Verbindung mit klassizistischen, dem Sozialistischen Realismus verpflichteten architektonischen Formen überrascht.

Die Stadt Eisenhüttenstadt ist heute von einem tiefen Widerspruch geprägt. In der Stadt ist wie beschrieben ein Modellanspruch immer noch spürbar. Dabei sind Charakter und Entwicklung der Stadt seit der Wiedervereinigung von einem Schrumpfungsprozess geprägt, der mit der Auflösung des Kombinats eingesetzt hat. Das ehemalige Privileg, die bevorzugte Versorgung der sozialistischen Zeit, ist heute kaum mehr vorstellbar. Die strukturellen Herausforderungen, welchen sich die Stadt heute stellen muss, zeigen sich im Kontrast mit dem ehemaligen Modellanspruch besonders deutlich.

Das Symposion will, ausgehend vom real existierenden Eisenhüttenstadt, die Struktur einer idealen oder utopischen sozialistischen Stadt, ihren Entwurf, seine historische Genese beschreiben, analysieren und als möglichen Bezugsrahmen für gesellschaftliches Entwerfen in der Gegenwart erschließen.

Wir haben in einer Ausschreibung mögliche TeilnehmerInnen gebeten, sich u.a. mit folgenden Fragen auseinander zu setzen:
- Eisenhüttenstadt ist in seiner Identität als monoindustrielle Gründung auf die Verbindung mit dem Stahlwerk festgelegt. Auch die Vergangenheit als ‚Idealstadt‘ des Sozialismus auf deutschem Boden ist ein identitätstiftendes Merkmal, das sich einer weiteren Entwicklung und Projektion in die Zukunft weitgehend versperrt. Wie kann der Planstadt- und heute auch Denkmalcharakter der Stadt sowohl erhalten als auch geöffnet werden, um eine ‚neue Zukunftsprojektion‘ zu ermöglichen?
- Ist der holistische Ansatz einer geplanten Stadt, im engeren Kontext der sozialistischen ‚Stadt der Zukunft‘, ein gedankliches Modell, das für gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklung und Problemlösung fruchtbar gemacht werden kann?

Die Konzepte, die uns erreicht haben, sind vielfältig und zeigen ein intensives Interesse an den Fragestellungen.

Der Kunstverein im Kloster Neuzelle wurde 2018 gegründet. Sein Programm, das 2019 mit dem Projekt UTOPIE PASSION initiiert wurde, ist noch im Aufbau begriffen. Die Fragestellung des Symposion soll in einer langfristigen Perspektive entwickelt werden.